Die Kiwi (früher Actinidia chinensis, jetzt A. deliciosa, Chinesischer Strahlengriffel), deren Früchte seit 20 Jahren auf unseren Märkten angeboten werden, stammt aus den subtropischen Zonen Chinas und wächst in Mitteleuropa nur in klimatisch sehr begünstigten Regionen, und selbst dort erfriert sie gelegentlich. Gegenüber dieser großfrüchtigen Kiwi besitzt die kleinfrüchtige Actinidia arguta (Scharfzähniger Strahlengriffel) in unseren Breiten zahlreiche Vorteile. Sie ist extrem frosthart (bis - 30°C), durch die späte Blütezeit kaum spätfrostgefährdet und reift auch bei kurzer Vegetationszeit noch gut aus. Sie ist pflegeleicht und zeichnet sich durch ungewöhnliche Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten und Schädlingen aus.
Die "Weiki" wurde vom damaligen Lehrstuhl für Obstbau der TU München-Weihenstephan (heute: Fachgebiet Obstbau des Wissenschaftszentrums Weihenstephan für Ernährung, Landnutzung und Umwelt) aus einem großen Bestand von A. arguta in mehreren Jahren ausgelesen. Die Baumschule Hofmann (siehe Bezugsquellen) vermehrt und verkauft die "Weiki" als Lizenznehmer.
Blüten und Früchte
Die bis zu 2 cm großen, reinweiß bis cremefarbenen und duftenden Blüten erscheinen Ende Mai. Die "Weiki"-Pflanzen sind zweihäusig, d. h. männliche und weibliche Blüten sitzen auf verschiedenen Pflanzen. Für Bestäubung und Fruchtansatz an der weiblichen Pflanze ist demnach unbedingt eine männliche nötig. Blätter und Blüten entwickeln sich aus derselben Knospe, wobei nur an frühzeitig ausgetriebenen Knospen Blüten entstehen. An männlichen Pflanzen bilden die Blüten Scheindolden mit bis zu 7 Einzelblüten, während bei weiblichen Individuen nie mehr als 3 Einzelblüten je Blattachsel erscheinen. Blütentriebe bilden sich am alten - meist einjährigen - Holz. Demnach sitzen die Früchte am einjährigen Seitenholz. Die Bestäubung übernehmen Hummeln, Bienen und auch der Wind.
Die unbehaarten, glattschaligen, maximal stachelbeergroßen Früchte (Beeren) reifen nacheinander ab Anfang Oktober, also auch in rauheren Klimalagen meist vor den ersten Frösten. Mit den ersten Früchten ist ab dem 3. Jahr zu rechnen. Als durchschnittliche Erntemenge rechnet man mit 5 kg/Strauch. Mit ihrem außerordentlich hohen Gehalt an Vitamin C (200 bis 400 mg/100g) übertrifft sie die meisten anderen Obstarten um ein Vielfaches. Bedeutende Inhaltsstoffe sind ferner Calcium, Kalium, Eisen und Ballaststoffe. Gut ausgereifte Früchte lassen sich über Monate im Kühllager, eventuell auch im Kühlschrank, aufbewahren. Die Früchte besitzen ein kräftiges Wildfruchtaroma und haben einen feigenähnlichen Geschmack, erinnern aber auch an Stachelbeeren. Neben ihrer hervorragenden Eignung als Frischfrucht - die dünne Schale kann mitgegessen werden, sie läßt sich aber auch abziehen - bietet die "Weiki" große Möglichkeiten für die Verarbeitung (Gelee, Marmalade, Saft, Wein, Bowle usw.).
Ansprüche und Pflege
Die schnellwachsende sommergrüne Schlingpflanze rankt am liebsten in windgeschützter, sonniger Lage an einem Maschendrahtzaun, einem Holzspalier oder einer Laube. In den ersten drei bis fünf Jahren hat man lediglich darauf zu achten, daß sich die linkswindenden Triebe gleichmäßig am Rankgerüst verteilen. Etwas Bindearbeit ist zu Beginn sicherlich erforderlich, geschnitten wird hingegen so wenig wie möglich. Im Frühjahr wird lediglich ausgeputzt, das heißt, abgestorbene Triebe werden zurückgeschnitten und schwache entfernt. Erst wenn nach einigen Jahren das Trieb-Wirrwarr zu groß wird, ist ein Auslichtungsschnitt zweckmäßig. Ein strenger Fruchtholzschnitt wie bei der großfrüchtigen Kiwi ist nicht erforderlich.Wünscht man Früchte, muss man mindestens ein männliches und ein weibliches Individuum - und zwar im Abstand von 2 m - pflanzen. In den Baumschulen werden allgemein eine weibliche und eine männliche Pflanze in einem Topf angeboten. Die Wuchshöhe beträgt ca. 2 bis 3 m.
Die "Weiki" gilt als widerstandsfähig und anspruchslos. Schwach sauere Böden werden bevorzugt, aber auch auf kalkhaltigen kommt sie gut zurecht. Eine Düngung im Frühjahr mit reifem Kompost, besonders auf leichten Böden, versorgt die Pflanze in der Regel mit genügend Nährstoffen.
Der Austrieb beginnt bereits Anfang März, so dass Spätfröste die jungen Triebe schädigen können. Aus zahlreich schlafenden Knospen regenerieren sich die Pflanzen aber relativ schnell. Wie jahrzehntelange Erfahrungen am früheren Lehrstuhl für Obstbau der TU München-Weihenstephan im rauhen Voralpenklima beweisen, fällt die gesamte Ernte nur selten dem Frost zum Opfer.
Wissenswertes aus der Familie der Strahlengriffelgewächse Actinidiaceae(
In Ostasien sind rund 40 Arten des Strahlengriffels verbreitet. Es sind sommergrüne, linkswindende Lianen mit kahlen oder filzig behaarten Zweigen und einfachen, gesägten oder gezähnten Blättern. Die bei uns kultivierten Arten sind dekorative, üppigwachsende Kletterpflanzen, die unbedingt ein Gerüst benötigen, mit auffallender Belaubung und Herbstfärbung. Bis auf Actinidia chinensis, die vor allem als Obstgehölz Verwendung findet, aber auch als dekoratives Ziergehölz interessant ist, sind alle Arten auch in unseren Breiten ausreichend frosthart und besitzen essbare Früchte. Bei Actinidia kolomikta (Kolomikta-Strahlengriffel) ist ein Teil der Blätter in der oberen Hälfte weiß, später rosa gefärbt. Diese Blattfärbung tritt bei männlichen Pflanzen stärker auf als bei weiblichen. Diese sind deshalb seltener im Handel, obwohl die blauschwarzen Früchte wohlschmeckend sind. Actinidia polygama (Vielehiger Strahlengriffel) schlingt bis zu 5 m hoch und wird zur Begrünung von Wänden und Zäunen gezogen. Dessen Früchte sind gelb und bitter. Von Actinidia arguta bieten manche Baumschulen außer der "Weiki" auch die Sorten "Ambrosia" und "Maki" an.
Bezugsquellen (Beispiele):
Lizenznehmer:
Pflanzen Hofmann, Hauptstr. 36, 91094 Langensendelbach, Tel. 09133/4687
Vertriebspartner:
Baumschulprodukte Herr GmbH, Baumschulenweg 19-25, 53340 Meckenheim,
Tel.: 02225-9208-0,
Baum- und Rosenschule Wolfgang Müller, Stübelstr. 3, 04758 Oschatz,
Tel.: 03435-97610
Institut für Gartenbau
Hedwig Klinkan, Dipl. Ing. (FH) Gartenbau |