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Kirschfruchtfliege

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Hinweis zum Ausdruck
Gelbfalle im Baum (großes Bild) Puppen im Boden (großes Bild) Made in der Frucht (großes Bild) Imago (großes Bild)
Gelbfalle im Baum Puppen im Boden Made in der Frucht Imago

Schädling
Die Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cerasi) ähnelt in ihrem Aussehen einer Stubenfliege. Sie ist etwa 5 mm lang, besitzt einen glänzenden schwarzen Körper und große, grüne Augen. Die Flügel sind durchsichtig mit dunkler Zeichnung und überragen den Hinterleib. Als weiteres Kennzeichen besitzt die Kirschfruchtfliege gelbliche Beine und - besonders markant - ein gelbes, dreieckiges Schildchen zwischen den Flügeln. Die ca. 4 mm langen, weißen Larven sind Maden, d.h. kopf- und fußlos. Das Puppenstadium besitzt ähnliche Maße und ist strohgelb.
Neben der Europäischen Kirschfruchtfliege, Rhagoletis cerasi, tritt in Deutschland seit einigen Jahren eine weitere Kirschfruchtfliegenart bei uns auf: Die Amerikanische Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cingulata). Optisch ähnelt sie der bei uns heimischen Kirschfruchtfliege, eine Unterscheidung ist u.a. auf der Basis der Flügelbänderung möglich. Ihre Biologie ist vergleichbar, sie tritt jedoch etwa drei bis vier Wochen später auf.

Namensgebung
Die Kirschfuchtfliege tritt als Schädling an Kirschfrüchten auf; systematisch zählt sie zu den Fliegen und hier im engeren Sinne zu den Fruchtfliegen (Trypetidae).

Wirtspflanzen
Befallen werden vor allem mittelspäte und späte Süßkirschensorten. Vereinzelt werden auch Sauerkirschen, mit Ausnahme der Sorte ?Schattenmorelle? befallen. Als weitere Wirte sind Vogelkirsche (Prunus avium), Heckenkirsche (Lonicera spp.), Schneebeere (Symphoricarpos spp.) und Traubenkirsche (Prunus padus) zu nennen.

Schaden
Befallene Früchte sind matt, stellenweise weich und weisen einen im Innern verschiebbaren Kern auf. Kernnah findet sich die Made. Betroffene Früchte faulen am Baum bzw. fallen frühzeitig zu Boden; bereits verlassene Früchte besitzen ein Ausbohrloch nahe dem Stiel der Kirsche.

Bedeutung
Wichtiger Obstschädling, insbesondere in warmen Gebieten Mittel- und Südeuropas. In nördlicheren Kirschenanbaugebieten untergeordnete Bedeutung.

Biologie
Die Überwinterung der Tiere erfolgt als Puppenstadium im Boden. Etwa Mitte Mai bis Ende Juni - abhängig von den Bodentemperaturen - verlassen die Fliegen ihr Puppengehäuse und beginnen mit einem Reifungsfraß (= Nektarsaugen an den Nektarien der Süßkirschen-blättter), der nach ca. 10 Tagen abgeschlossen ist. Dem folgt die Geschlechterfindung und Paarung auf den Kirschfrüchten. Dezimierend auf die Population wirken kühle Temperaturen und hohe Niederschläge zum Zeitpunkt des Fluges. Die Eiablage (0,7 mm lang, weiß) in die Frucht findet bei Temperaturen über 16 °C in die von grün nach gelb oder gelbrot umschlagenden Kirschen statt. Pro Weibchen werden etwa 100-250 Eier abgelegt, eine doppelte Fruchtbelegung ist durch vom Weibchen bei der Eiablage abgesonderte Markierungsduftstoffe (=Pheromone) jedoch grundsätzlich ausgeschlossen. Bei einem starken Befallsdruck ist aber auch eine Doppelbelegung keine Seltenheit. Die nach 6-8 Tagen ausschlüpfende Made frisst sich in die Frucht und zerstört das Fruchtfleisch um den Stein. Die Entwicklungszeit der Maden beträgt etwa 3 Wochen. Sie verlässt dann die Frucht und wandert in den Boden (näherer Baumumkreis) und überwintert in etwa 3 cm Tiefe als Tönnchenpuppe; ein Überliegen der Puppen für zwei bis drei Jahre lässt sich häufig beobachten. Es tritt somit nur eine Generation pro Jahr auf.

Vorbeugung und Bekämpfung
Bei der Sortenwahl sind frühe Sorten zu bevorzugen (z.B. `Burlat´). Andere Nebenwirte (s.o.) sollten nicht im näheren Umfeld stehen. Aus vorbeugender Sicht im Hinblick auf eine Reduzierung des Befalls im nächsten Jahr können genannt werden: Vorzeitig herabfallende Früchte auflesen, Bäume frühzeitig und restlos leerpflücken, Hühner und/oder Enten als Larvenvertilger in den Garten treiben (Fallobst), und um Puppen aus dem Boden zu scharren und zu vertilgen. Durch ein Mulchen der Baumscheibe kommt es im Frühjahr zu einer langsameren Bodenerwärmung und damit zu einem verzögerten Schlupf der wärmeliebenden Tiere. Durch die Auslegung von engmaschigen Netzen oder Vliesen im näheren Baumbereich noch vor dem Schlupf der Fliegen kann sowohl der Reifungsfraß als auch die Paarung und damit die Eiablage unterbunden werden. Als biotechnische Maßnahme - sowohl zur direkten Feststellung des optimalen Bekämpfungszeitpunktes als auch zur Schädlingsbekämpfung - ist der Einsatz von mit farblosem Insektenleim bestrichenen Gelbfallen zu nennen; unterschiedliche Fallentypen sind im Handel erhältlich. Nach der für die Kirschen anfälligen Phase sind die Fallen zu entfernen, da sie sonst zur Falle von nützlichen Insekten werden. Im Intensivkirschenanbau ist zur Bekämpfung auch eine Überdachung mit Kulturschutznetzen möglich, ergänzend kann so auch Vogelfraß abgewehrt werden. Als natürliche Feinde der Kirschfruchtfliege können Schlupfwespen, Spinnen, Laufkäfer, Kurzflügler sowie die bereits erwähnten freilaufenden Hühner und Enten genannt werden. Chemische Maßnahmen mit Insektiziden sind zulassungsabhängig zum Zeitpunkt des Fliegenschlupfes (ca. Akazienblüte; Robinia pseudoacacia) möglich.

Welche Präparate sind zur Zeit einsetzbar ?
(siehe auch: Weiterführende Informationen)
Aufgrund der raschen Veränderungen in Fragen der Zulassung (§15 Pflanzenschutzgesetz) und Genehmigungen (§11, §18a, §18b Pflanzenschutzgesetz) von Pflanzenschutzmitteln verweisen wir für den gärtnerischen Erwerbsanbau im konkreten Falle einer gewünschten Bekämpfungsempfehlung auf die Pflanzenschutzämter der Bundesländer. Dort stehen länderbezogen Fachberater für die jeweiligen gartenbaulichen Kulturen zur Verfügung.
In Bayern: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Freising.

Hobbygärtner wenden sich bitte in Fragen zu einer möglichen und erlaubten Bekämpfung ebenfalls an ihr zuständiges Pflanzenschutzamt oder an die eventuell in ihrem Bundesland angesiedelte Gartenakademie.
In Bayern: Bayerische Gartenakademie/Veitshöchheim oder direkt über das Gartentelefon: 0931/9801-147


Text: Institut für Gartenbau (Thomas Lohrer)
Stand: April 2008


 

Weiterführende Informationen: