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Falscher Mehltau am Wein

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Hinweis zum Ausdruck
Falscher Mehltau am Blatt (großes Bild) Falscher Mehltau am Blatt (nah) (großes Bild)
Falscher Mehltau am Blatt Falscher Mehltau am Blatt (nah)

Erreger
Am Wein treten zwei verschiedene Pilze auf, die beide einen mehligen Belag am Blatt bewirken, jedoch auch die Gescheine (= Blütenstand der Rebe) und Früchte befallen. Ihre Bestimmung ist von entscheidender Bedeutung, da sich die Pilze sowohl in Ihrer Biologie (z.B. Infektionsbedingungen, Überwinterung) als auch in der Bekämpfung (z.B. Präparatewahl) deutlich unterscheiden.
Verursacher des Falschen Mehltaus am Wein ist der Pilz Plasmopara viticola. Neben der Bezeichnung Falscher Mehltau werden auch die Bezeichnungen Peronospora, Rebenperonospora, Blattfallkrankheit oder Lederbeerenkrankheit verwendet. Die Krankheit wurde 1878 aus Nordamerika nach Südfrankreich eingeschleppt und hat sich in wenigen Jahren über ganz Europa ausgebreitet.

Namensgebung
Die Bezeichnung Peronospora ist auf die Gattungsbezeichnung der früheren wissenschaftlichen Bezeichnung Peronospora viticola zurückzuführen. Der Begriff Falscher Mehltau steht in Beziehung mit dem Echten Mehltau am Wein, d.h. zwei pilzliche Erreger, die beide einen mehligen Belag hervorrufen, sich sonst in Biologie und Bekämpfung jedoch recht deutlich unterscheiden. Bei einem Fruchtbefall der Beeren verfärben sich die Beeren braungrau und schrumpfen lederbeutelartig zusammen (Lederbeeren). Vom Pilz stark geschädigte Blätter fallen verstärkt ab (Blattfallkrankheit).

Wirtspflanzen
Der Falsche Mehltau an der Rebe ist streng wirtsspezifisch, d.h. er kann nur auf der Rebe leben. Das Wirtspflanzenspektrum beschränkt sich somit auf den Wein.

Krankheitsbild
Grundsätzlich werden alle grünen Rebteile von dem Pilz befallen. Ein erster Blattbefall ist bereits ab Mai möglich. Hier zeigen sich auf der Blattoberseite meist rundliche, ölig erscheinende Flecke, dem später auf der Blattunterseite ein weißlicher Pilzrasen folgt. Insbesondere bei älteren Blättern lassen sich die durch die Blattadern begrenzten Befallsstellen ("Mosaikflecke") auf der Blattunterseite gut erkennen. Die Blattflecke nehmen im Laufe der Zeit an Größe zu und werden braun; stärker geschädigte Blätter fallen ab. Die Gescheine als auch die jungen Beeren werden ebenfalls von einem weißlichen Pilzrasen überzogen. Erst bei einer Infektion der älteren Beeren, etwa ab Erbsengröße, schrumpfen diese zu den bereits erwähnten Lederbeeren ein. Daneben kommt es zu Traubenstiel- und Triebinfektionen.

Bedeutung
Neben dem Grauschimmel und dem Echten Mehltau zählt der Falsche Mehltau mit zu den gefährlichsten Rebkrankheiten. Unter günstigen Bedingungen kann der Krankheitsverlauf ein epidemieartiges Ausmaß annehmen. Aufgrund des Blüten- und Traubenbefalls kann es zu erheblichen Ertragseinbußen bis zum Totalausfall der Ernte kommen. Zudem bedingt ein erhöhter Blattbefall als auch Blattfall eine Schwächung des Stockes, eine ungenügende Holzreife und - damit verbunden - eine erhöhte Frostempfindlichkeit.

Biologie
Ausgang einer Infektion mit dem Falschen Mehltau sind vom Pilz gebildete Dauerorgane (Oosporen), die sich insbesondere im vorjährig abgefallenen Laub als auch in den Lederbeeren im Boden befinden. In diesen Dauerorganen kommt es im zeitigen Frühjahr zur Bildung von Verbreitungssporen, die bei starkem Regen mit Hilfe von Wasserspritzern und Wind auf die grünen Rebteile übertragen werden. Für eine erfolgreiche Infektion sind hier bestimmte Temperaturen und längere Blattnässeperioden (Optimum: feuchtwarm) erforderlich. Der Pilz selbst wächst im Blattgewebe. Erste Blattsymptome sind dann die öligen Flecke auf der Blattoberseite. Kurze Zeit später folgt auf der Blattunterseite ein weißer Pilzrasen, der sich im Detail aus lauter Verbreitungssporen, die an einem Stielchen bäumchenartig befestigt sind, zusammensetzt. Diese Sporen setzen den Kreislauf der Infektion, der im Jahr etwa 7-9mal durchlaufen werden kann, weiter fort. Etwa ab August werden im Blattgewebe und in den Lederbeeren die Dauersporen (Oosporen) gebildet. Diese sind aufgrund Ihrer Struktur über Jahre im Boden überdauerungsfähig.

Vorbeugung und Bekämpfung
Aufgrund der vorliegenden Biologie lassen sich zwei Maßnahmen unmittelbar ableiten. Es gilt, das Potenzial an Überdauerungssporen im Boden zu reduzieren (= Falllaub und Lederbeeren restlos entfernen) als auch eine längere Blattnässedauer zu vermeiden (= lockerer Aufbau des Weinstockes durch Schnittmaßnahmen). Ist eine Neuanpflanzung beabsichtigt, sind resistente bzw. weitgehend widerstandsfähige Sorten zu bevorzugen. Beispiele: blau (?Muskat bleu?, ?Boskoop Glory?); weiß (?Birstaler Muskat?, ?Fanny?, ?Theresa?); kernlos (?Romulus?). Reichen die vorbeugenden Maßnahmen alleine nicht aus, lässt sich mit Hilfe von Pflanzenstärkungs- als auch Pflanzenschutzmitteln der Befall eindämmen.

Welche Präparate sind zur Zeit einsetzbar ?
(siehe auch: Weiterführende Informationen)
Aufgrund der raschen Veränderungen in Fragen der Zulassung (§15 Pflanzenschutzgesetz) und Genehmigungen (§11, §18a, §18b Pflanzenschutzgesetz) von Pflanzenschutzmitteln verweisen wir für den gärtnerischen Erwerbsanbau im konkreten Falle einer gewünschten Bekämpfungsempfehlung auf die Pflanzenschutzämter der Bundesländer. Dort stehen länderbezogen Fachberater für die jeweiligen gartenbaulichen Kulturen zur Verfügung.
In Bayern: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Freising.

Hobbygärtner wenden sich bitte in Fragen zu einer möglichen und erlaubten Bekämpfung ebenfalls an ihr zuständiges Pflanzenschutzamt oder an die eventuell in ihrem Bundesland angesiedelte Gartenakademie.
In Bayern: Bayerische Gartenakademie/Veitshöchheim oder direkt über das Gartentelefon: 0931/9801-147



Institut für Gartenbau
Thomas Lohrer, Dipl. Ing. agr.
Stand: April 2008

 

Weiterführende Informationen: