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Gefurchter Dickmaulrüssler

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Hinweis zum Ausdruck
Larven (großes Bild) Schaden am Taxus (Stengel) (großes Bild) Blattschaden am Euonymus (großes Bild) Käfer (großes Bild)
Larven Schaden am Taxus (Stengel) Blattschaden am Euonymus Käfer

Blattschaden am Rhododendron (großes Bild)
Blattschaden am Rhododendron

Schädling
Der Gefurchte Dickmaulrüssler (Otiorhynchus sulcatus) zählt optisch als auch namentlich sofort erkennbar zu den Rüsselkäfern (Curculionidae), die im europäischen Raum mit über 5.000 Arten vertreten sind. Er ist etwa 10-12 mm lang, länglich-oval, schwarz gefärbt und dämmerungs- bzw. nachtaktiv. Tagsüber versteckt sich der Käfer u.a. unter Laub, in Steinspalten, hinter Rankgerüsten. Die Käfer sind nicht flugfähig, somit nur "per pedes" unterwegs. Die Eier der ausschließlich weiblichen Käfer sind weiß, später rötlich gefärbt und nur Bruchteile eines Millimeters groß. Die schlüpfenden Larven (2 mm) sind weiß gefärbt, mit einer braunen Kopfkapsel versehen, fußlos und bauchwärts gekrümmt; im Laufe ihrer Entwicklung werden sie bis zu 12 mm lang.

Namensgebung
Als klassischer Vertreter der Rüsselkäfer besitzt er einen kurzen, dicken, zudem mittig gefurchten Rüssel (umgangssprachlich als"Dickmaul" anzusprechen), an dessen Ende sich die Mundwerkzeuge befinden.

Wirtspflanzen
Das Wirtspflanzenspektrum des Gefurchten Dickmaulrüsslers ist sehr groß. Befallen werden in erster Linie Moorbeetpflanzen (z.B. Rhododendron, Azaleen, Erica, Calluna), Erdbeeren und andere Beerenobstarten, Gehölze (insbesondere Eiben, aber z.B. auch Fichten, Wacholder), diverse Zierpflanzen (z.B. Cyclamen, Orchideen, Primeln, Pelargonien) als auch Stauden und Weinreben.

Schaden
Eine Schädigung erfolgt auf zweierlei Weise: Sowohl durch den Käfer (Blattfraß) als auch durch die Larven (Wurzelfraß). Der Käferschaden zeigt sich an den Blättern als ein typischer Buchtenfraß, d.h. die Blattränder sind U-förmig angefressen. Vom Schadbild ist hier nahezu keine Verwechslungsmöglichkeit mit anderen Erregern möglich. Die Larven schädigen durch einen massiven Fraß an den Wurzeln, sodass Welke- und Verkümmerungserscheinungen die Folge sind. Die Schäden der Larven sind stärker zu bewerten als die der Käfer.

Bedeutung
Der Gefurchte Dickmaulrüssler zählt mit zu den wichtigsten Schädlingen im Garten, insbesondere als Dachgartenschädling ist er gefürchtet.

Biologie
Die ersten Käfer finden sich im Freiland etwa ab Ende Mai/Anfang Juni. Nach einem etwa vierwöchigen Reifungsfraß der jungen Käfer werden ab Juli bis in den Spätsommer hinein Eier abgelegt; je Käfer bis zu 1.000 Stück. Ab August kommt es dann zum Schlupf der Larven, die auch überwintern. Nach der Verpuppung im Boden erscheinen wieder ab Ende Mai/Anfang Juni die ersten Jungkäfer. Zum Teil überwintern auch die Käfer. Diese legen im Mai ihre Eier ab, sodass hier erste Larven im Juni schlüpfen. Die Gesamtlebensdauer der Käfer beträgt etwa zwei bis drei Jahre. Es bleibt anzumerken, dass die Entwicklung des Dickmaulrüsslers im Gewächshaus oder auch im Wintergarten durch die höheren Temperaturen ganzjährig verläuft, d.h. es finden sich über das ganze Jahr verteilt sowohl die Käfer als auch die Larven wieder. Dies gilt es bei eventuellen Bekämpfungsmaßnahmen mit zu beachten.

Vorbeugung und Bekämpfung
Eine Reihe von wirkungsvollen vorbeugenden Maßnahmen als auch biologischen Bekämpfungsmöglichkeiten sind gegen den Dickmaulrüssler vorhanden, weiterhin können auch chemische Präparate einsetzbar werden. Ein einfaches Absammeln ist aufgrund der Größe der Tiere und ihrer Flugunfähigkeit - insbesondere im Hobbygarten - möglich. Zu beachten ist jedoch, dass die Tiere dämmerungs- und nachtaktiv sind und sich bei Gefahr rasch fallen lassen. Tontöpfe, gefüllt mit feuchten Papiertüchern oder beblätterten Weinrebentrieben, in der Nähe der befallenen Pflanzen aufgehangen (Balkon/Terrasse), dienen den Tieren als mögliches Tagesversteck, sodass sie auf diesem Weg abgefangen werden können. Dies stellt keine spezifische Fangmethode dar, es lassen sich jedoch eine Reihe von Rüsselkäfern mit dieser Methode abfangen. Im Garten können des weiteren einfache, flach ausgelegte Bretter als Tagesversteck dienen. Es sei grundsätzlich darauf hingewiesen, dass vorbeugende Maßnahmen nur effektiv greifen können, wenn regelmäßig Kontrollen durchgeführt werden, sodass mit dem ersten Auftreten des Schädlings reagiert werden kann. Natürliche Feinde des Dickmaulrüsslers sind u.a. Igel und Spitzmäuse; sie sollten im Garten gefördert werden.
Zur biologischen Bekämpfung der Larven und Puppen des Gefurchten Dickmaulrüsslers existieren im Handel erhältliche Nematodenpräparate (Gattung Heterorhabditis), die spezifisch in ihrer Wirkung und somit vollkommen unschädlich für andere Tiere oder Pflanzen sind. Die Nematoden, fadenförmige Tiere im mm-Bereich, dringen aktiv in die Larven und Puppen des Dickmaulrüsslers ein und geben im Innern ein mit ihnen in Gesellschaft lebendes Bakterium ab (für Warmblüter völlig ungefährlich). Diese Bakterien vermehren sich hier und führen zum Absterben der Larven/Puppen. Die Nematoden ernähren sich ihrerseits von den Bakterien und dem abgestorbenen Insektenkörper und verlassen schließlich ihren Wirt, um neue Larven/Puppen aufzusuchen. Die Nematoden sterben ohne ihre Nahrungsquellen ab, d.h. ein Dauerschutz ist durch eine einmalige Anwendung nicht zu erreichen. Ein Bekämpfungserfolg ist auch für den Laien rasch sichtbar, da sich die Larven/Puppen rotbraun verfärben. Als Anwendungstermin ist das zeitige Frühjahr (Mitte/Ende März) und der Spätsommer (Mitte August bis Anfang/Mitte Oktober) anzuführen.
Es existieren im Handel unterschiedliche Formulierungen, sodass im Hinblick auf die konkrete Anwendung und die zu befolgenden Hinweise die Gebrauchsanweisung genau zu beachten ist. Auf einige Punkte soll jedoch bereits an dieser Stelle hingewiesen werden: Als Bodentemperatur sind mindestens 12 °C, besser 15 °C erforderlich; die Tiere sind stark UV-empfindlich, d.h. die Ausbringung sollte bevorzugt in den Abendstunden erfolgen; eine ausreichende Bodenfeuchte keine Staunässe ist für einen erfolgreichen Einsatz erforderlich.

Welche Präparate sind zur Zeit einsetzbar ?
(siehe auch: Weiterführende Informationen)
Aufgrund der raschen Veränderungen in Fragen der Zulassung (§15 Pflanzenschutzgesetz) und Genehmigungen (§11, §18a, §18b Pflanzenschutzgesetz) von Pflanzenschutzmitteln verweisen wir für den gärtnerischen Erwerbsanbau im konkreten Falle einer gewünschten Bekämpfungsempfehlung auf die Pflanzenschutzämter der Bundesländer. Dort stehen länderbezogen Fachberater für die jeweiligen gartenbaulichen Kulturen zur Verfügung.
In Bayern: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Freising.

Hobbygärtner wenden sich bitte in Fragen zu einer möglichen und erlaubten Bekämpfung ebenfalls an ihr zuständiges Pflanzenschutzamt oder an die eventuell in ihrem Bundesland angesiedelte Gartenakademie.
In Bayern: Bayerische Gartenakademie/Veitshöchheim oder direkt über das Gartentelefon: 0931/9801-147



Text: Institut für Gartenbau (Thomas Lohrer)
Stand: April 2008

 

Weiterführende Informationen: