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Gespinstmotten

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Hinweis zum Ausdruck
Gespinste (großes Bild) Falter (großes Bild) Larven im Gespinst (großes Bild) Puppen im Gespinst (großes Bild)
Gespinste Falter Larven im Gespinst Puppen im Gespinst

Kahlfraß (großes Bild)
Kahlfraß

Schädling
Gespinstmotten stellen eine in sich geschlossene Familie der Schmetterlinge dar (Yponomeutidae). Es gibt eine Vielzahl von Arten in dieser Familie (allein in Mitteleuropa über 90), wobei jedoch die grundsätzliche Biologie der Tiere, die durch ihre typischen Gespinste und den durch sie bedingten Kahlfraß an den Bäumen stark auffallen, recht ähnlich ist. Eine gemeinsame Betrachtung erscheint somit sinnvoll.
Weit verbreitet und damit häufiger vorkommend sind die folgenden vier Arten: Apfelbaumgespinstmotte (Yponomeuta malinellus), Pflaumengespinstmotte (Y. padella), Spindelbaumgespinstmotte (Y.cagnagella) und Traubenkirschengespinstmotte (Y. evonymella).
Die Raupen der einzelnen Arten unterscheiden sich in ihrer Färbung deutlich, sodass kein einheitliches Bild vermittelt werden kann. Sie sind jedoch meist schmutziggelb bis grün bei nur geringer Behaarung und einer Länge im ausgewachsenen Zustand von etwa 20 mm. Die Kopfkapsel als auch das Nackenschild, also das Rückenteil des Segmentes nach der Kopfkapsel, sind unverkennbar dunkel gefärbt und heben sich somit farblich deutlich vom Gesamteindruck der Raupe ab. Auch besitzen die Raupen oft eine dunkle Punktreihe. Typisch ist weiterhin ihr gemeinsamer Fraß in großen Gespinsten. Die Falter sind alle weitestgehend ähnlich, dabei fallen sie insbesondere durch ihre schneeweißen, gefransten Vorderflügel auf, die mit mehreren schwarzen Punkten, meist als Längsreihe ausgebildet, versehen sind. Die Hinterflügel sind einheitlich grau bis hellgrau.

Namensgebung
Die Bezeichnung Gespinstmotte rührt von der deutschen Bezeichnung der Schmetterlingsfamilie (Yponomeutidae) her, zu der diese Tiere zählen. Namensgebend sind hier die in Gruppen auftauchenden Raupen, die stark zur Gespinstbildung neigen.

Wirtspflanzen und Schaden
Entsprechend der vorherrschenden Gespinstmottenarten können Schäden an Apfel (Malus), Weißdorn (Crataegus), verschiedenen Prunus-Arten wie z.B. Süßkirsche, Traubenkirsche oder Schlehe (P.avium, P.padus, P.spinosa), Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus) oder an anderen Sträuchern, Hecken oder auch Zierpflanzen vorkommen.
Die Gespinste mit ihren Raupen können den ganzen Baum, den Stamm als auch angrenzende Gräser völlig bedecken. Entsprechend groß ist der augenscheinliche Schaden; Kahlfraß ist nicht selten.

Bedeutung
Wenngleich durch die Gespinstmottenlarven ein Kahlfraß möglich ist, erholen sich viele Gehölze im selben Jahr wieder rasch durch einen Neuaustrieb. Bei Obstgehölzen kann es verständlicherweise zu völligem Ertragsausfall kommen bzw. reduziertem Wachstum in den nachfolgenden Jahren. Eine vorbeugende Bekämpfung (rechtzeitger Schnitt) ist stets zu empfehlen. Kalamitäten treten nicht jedes Jahr mit gleicher Regelmäßigkeit auf, sondern werden insbesondere durch eine mehrfach zu warme Winterwitterung gefördert.

Biologie
Der Schlupf der Falter erfolgt im Sommer, somit je nach Art unterschiedlich etwa in den Monaten Juni-August. Nach der Begattung erfolgt die Eiablage in Form flacher, schuppenartiger Gelege an der Rinde von Trieben und Zweigen ihrer Wirtspflanzen. Die Gelege werden zum Schutz von dem Weibchen mit einem Sekret überdeckt, das schnell verhärtet. Ein Gelege enthält durchaus 40-80 Eier. Die innerhalb von wenigen Wochen schlüpfenden Raupen durchbeißen die unterste Sekretschicht, lassen jedoch die oberste Schicht unversehrt und überwintern als winzige Jungraupe unter diesem Sekretmantel. Mit Hilfe einer Lupe lassen sich diese dunkel gefärbten Eischilde gut erkennen. Im zeitigen Frühjahr werden die Tiere wieder aktiv. Häufig minieren die Raupen zuerst in den jungen Knospen und Blättern, beginnen dann jedoch rasch mit einer Gespinstbildung, in der sie als Gruppe den Fraß fortsetzen. Etwa im Juni erfolgt die Verpuppung am Baum innerhalb dieser Gespinste, wobei die Puppen hier locker verteilt angeordnet sind. Die Verpuppung erfolgt meist in weißen, undurchsichtigen Kokons. Innerhalb von wenigen Wochen schlüpfen dann die Falter; die Tiere vollziehen somit nur eine Generation pro Jahr.
Neben den hier vorgestellten Gespinstmotten können auch andere Schmetterlingsarten an Gehölzen Gespinste mit kombiniertem Kahlfraß hervorrufen. Anzuführen ist hier insbesondere der Goldafter (Euproctis chrysorrhoea), der eine ähnliche Biologie wie die Gespinstmotten besitzt und auch an einer Reihe von Gehölzen auftreten kann. Die Raupen sind jedoch sehr stark behaart, somit mit denen der Gespinstmotten nicht zu verwechseln. Die Bekämpfung des Goldafters sollte zudem bevorzugt im Herbst erfolgen, da hier die Raupen bereits im Spätsommer mit ihrem Fraß beginnen und kleine Gespinste ausbilden (in denen die Raupen auch überwintern); der Fraß wird dann im Frühjahr fortgesetzt.

Vorbeugung und Bekämpfung
Als natürliche Regulatoren sind in erster Linie insektenfressende Vögel zu nennen (gegen die Falter und Raupen) als auch räuberisch lebende Wanzen (gegen die Eier und Raupen). Insbesondere ein Massenauftreten regelt sich durch das Auftreten von Parasiten und Krankheitserregern häufig von alleine. Einfach und effektiv zugleich ist das Entfernen der besiedelten Gespinste, wenn möglich im frühen Stadium, um den Schaden soweit wie möglich zu reduzieren. Eine chemische Bekämpfung der Raupen ist nur zu einem frühen Zeitpunkt sinnvoll, d.h. bevor sich die Gespinste ausgebildet haben, da die Raupen dort recht gut vor den Pflanzenschutzmitteln geschützt sind.

Welche Präparate sind zur Zeit einsetzbar ?
(siehe auch: Weiterführende Informationen)
Aufgrund der raschen Veränderungen in Fragen der Zulassung (§15 Pflanzenschutzgesetz) und Genehmigungen (§11, §18a, §18b Pflanzenschutzgesetz) von Pflanzenschutzmitteln verweisen wir für den gärtnerischen Erwerbsanbau im konkreten Falle einer gewünschten Bekämpfungsempfehlung auf die Pflanzenschutzämter der Bundesländer. Dort stehen länderbezogen Fachberater für die jeweiligen gartenbaulichen Kulturen zur Verfügung.
In Bayern: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Freising.

Hobbygärtner wenden sich bitte in Fragen zu einer möglichen und erlaubten Bekämpfung ebenfalls an ihr zuständiges Pflanzenschutzamt oder an die eventuell in ihrem Bundesland angesiedelte Gartenakademie.
In Bayern: Bayerische Gartenakademie/Veitshöchheim oder direkt über das Gartentelefon: 0931/9801-147



Institut für Gartenbau
Thomas Lohrer, Dipl. Ing. agr.
Stand: April 2008

 

Weiterführende Informationen: