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Infoblätter

Der 'Essbare Garten'

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Amelanchier lamarckii (großes Bild) Cornus mas (großes Bild) Aruncus dioicus (großes Bild) Filipendula ulmaria (großes Bild)
Amelanchier lamarckii Cornus mas Aruncus dioicus Filipendula ulmaria

Hemerocallis species (großes Bild) Inula helenium (großes Bild) Sagittaria sagittifolia (großes Bild) Chaenomeles species (großes Bild)
Hemerocallis species Inula helenium Sagittaria sagittifolia Chaenomeles species

Mahonia aquifolium (großes Bild)
Mahonia aquifolium

Geschichtlicher Hintergrund

Neben der Jagd war in fernerer Vergangenheit das Sammeln essbarer Pflanzen zum Überleben der Menschen notwendig. Die Weitergabe des Wissens um essbare Pflanzen war daher unabdingbarer Bestandteil des menschlichen Lebens. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war das Sammeln essbarer Pflanzen fester Bestandteil der Nahrungsversorgung. Man kannte so genannte Allmenden, aus denen später das Wort 'Gemeinde' hervorging. Dies waren öffentliche Flächen wie Anger, Obstanlagen und Alleen, Böschungen oder Wälder, die zum Abernten für die Allgemeinheit freigegeben waren. Bestimmte Wuchsorte in der Landschaft wurden wie Gärten genutzt. Man begünstigte wild wachsende Nahrungspflanzen wie den Waldgeißbart, indem man die Fläche von konkurrierenden Pflanzen frei hielt und so eine arbeitsarme, rentable Erntewirtschaft erreichte.

In der Nachkriegszeit mit dem aufkommenden Wirtschaftswunder und der Industrialisierung der Landwirtschaft ging diese Art der Versorgung in den westlichen Ländern nahezu vollständig verloren, da die Massenproduktion sich nur auf die ertragreichsten Pflanzen beschränkte. Dabei gibt es gute Gründe für die Anpflanzung vieler Zierpflanzen auch zu Speisezwecken:

  • Erweiterung des Nahrungsangebotes
  • Ausbau der Eigenversorgung
  • Angebot kulinarischer Besonderheiten
  • Nutzung der Heilwirkung vieler Pflanzen und deren Inhaltstoffe
  • Beitrag zum Artenschutz von Wildpflanzen
  • zusätzliche Möglichkeit der Gartengestaltung

Die Grundidee des Gartens

Heute steht für dieses Thema die Betrachtung des Gartens als ganzheitliche Sinneserfahrung im Vordergrund. Waren im 16. Jahrhundert Gärten nur als Nutzgärten bekannt, so wechselte später häufig die Dominanz von Zierwert oder Nutzwert.

Durch das Wissen um Essbares aus dem Bereich von Zier- und Wildpflanzen können Nutz- und Zierwert miteinander verbunden werden. Dekorative Nutzpflanzen sind als Mischpflanzung in den Garten integrierbar, zum Beispiel in Kombination mit Stauden und Sommerblumen. Das kann so weit führen, dass auf einen gesonderten Nutzgarten verzichtet werden kann.
Die Pflanze wird hier nicht auf eine einzige Nutzung reduziert. Sie ist in vielfacher Hinsicht wertvoll, kann sowohl ästhetisch und sinnlich wirksam (Duft, Farbe, Form, Oberfläche, Geschmack), nahrhaft, ökologisch wertvoll oder auch heilend sein. Alle diese Werte einer Pflanze sollen im 'Essbaren Garten' erfahrbar werden.

Damit bietet sich ein Ansatz für eine alternative Gartenform (besonders für den Haus- und Kleingarten), aber auch eine Quelle für ein neues/altes Verständnis von Natur und Landschaft, das in weiteren Gebieten der Garten- und Landschaftsplanung einfließen kann. Essbare Pflanzen sind auch ein interessantes Thema für Schulgärten, Kindergärten, Gartenschauen und Therapiegärten.

Zum Gebrauch der Pflanzen

Voraussetzung für die Nutzung essbarer Pflanzen ist eine intensive Beschäftigung damit. Man sollte nicht einfach drauflos essen! Wie bei den bekannten Kulturpflanzen (z.B. Bohne, Kartoffel) gibt es auch hier solche, die erst durch Garen genießbar werden. Durch Lektüre entsprechender Informationen werden die Zubereitungsarten geläufig, dann kann man auch selbst experimentieren.

Wenn man sich für die Anlage eines 'Essbaren Gartens' entscheidet, verzichtet man auf einen Teil anspruchsvoller und dekorativer Zierpflanzen, da sie giftig sind (Beispiel: Seidelbast, Rhododendron, Rittersporn, Eisenhut, Maiglöckchen). Der Nutzer muss sich über seine Prioritäten im klaren sein. Es bietet sich die Möglichkeit, ähnlich wie bei Giftpflanzendemonstrationen, einen abgetrennten Bereich mit giftigen Prachtstauden zu schaffen. Hier ist besondere Vorsicht im Umgang mit Kindern geboten.

In der beigefügten PDF-Datei finden Sie eine Zusammenstellung von Pflanzen, die für einen 'Essbaren Garten' verwendbar sind.

Institut für Landschaftsarchitektur
Wolfgang Richter-Tietel

 

Weiterführende Informationen: